Die Märkte befinden sich in einer Phase der Neuordnung. Während die wirtschaftliche Lage angespannt bleibt, kristallisieren sich langfristige Meta-Trends heraus, die die Spielregeln nachhaltig verändern. Unternehmen, die sich jetzt richtig aufstellen, können gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Die entscheidenden Hebel sind dabei nicht mehr nur Produktinnovationen, sondern vor allem intelligente Servicekonzepte, clevere Antworten auf den Fachkräftemangel und ein pragmatischer Umgang mit ESG-Anforderungen.
Trend 1: Servitization
Der Wandel vom reinen Produktverkauf hin zu ganzheitlichen Lösungen beschleunigt sich. Kunden suchen heute nach Partnern, die nicht nur eine Leiter oder eine Transportkiste liefern, sondern ein umfassendes Service-Paket anbieten – von der initialen Beratung bis zur Anwenderschulung. Diese „Turnkey-Lösungen“ für den gesamten Lebenszyklus eines Produkts werden zum Standard. Dieser Trend professionalisiert auch den After-Sales-Bereich: Erwartungen an Schulungen, Prüfungen, Reparaturen und eine schnelle Ersatzteilversorgung steigen. Digitale Zugänge wie QR-Codes oder NFC-Tags an Produkten werden dabei zu wichtigen Brücken, um Self-Service-Angebote zu ermöglichen und hochqualifizierte Servicetechniker gezielt dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schaffen.
Gleichzeitig entwickelt sich eine klare Zweiteilung am Markt:
- Für Standardbedarfe erwarten Kunden eine hocheffiziente, „Amazon-like“ Abwicklung, gestützt durch saubere Stammdaten und integrierte EDI/ERP-Prozesse.
- Für komplexe Projekte wird eine tiefe Engineering-Kompetenz und Beratungsleistung gefordert, was sich auch in Ausschreibungen widerspiegelt, in denen Service und Engineering-Leistungen als Kriterien an Gewicht gewinnen.
Der pragmatische Einsatz von KI und Automatisierung dient hierbei vorrangig der internen Prozessoptimierung, um die Effizienz im Standardgeschäft zu heben und Ressourcen für das anspruchsvolle Lösungsgeschäft freizusetzen.
Trend 2: Intelligente Antworten auf den Fachkräftemangel
Für viele Unternehmen ist der Mangel an qualifiziertem Personal die größte operative Bremse. Darauf müssen Hersteller reagieren, indem das Produktdesign selbst Teil der Lösung wird. Wenn Mitarbeiter ein Produkt nicht gerne oder nur mit hohem Aufwand nutzen können, scheitert selbst die sicherste Lösung in der Praxis. Nehmen wir als Beispiel Monteure, die in der Höhe arbeiten: Dauert der Aufbau einer sicheren Arbeitsplattform zu lange, greifen sie im Zweifel zur schneller verfügbaren, aber unsicheren Alternative.
Um diese Sicherheitslücke zu schließen, sind ergonomische Produkte entscheidend, die konsequent aus der Anwenderperspektive entwickelt werden. Ein Beispiel ist der Zarges Teletower: Während in Deutschland klassische Gerüste nur von fachkundigem Personal aufgebaut und von befähigten Personen abgenommen werden dürfen, bietet der Teletower eine Alternative. Er kann von regulär geschulten Mitarbeitenden sicher aufgebaut und genutzt werden. Das sorgt für mehr Praxisnähe, schnellere Verfügbarkeit und geringere Abhängigkeit von externen Prüfern – ohne die Sicherheit aus dem Blick zu verlieren. Der Trend geht klar zu Produkten, die so einfach und bequem zu handhaben sind, dass Sicherheit keinen Mehraufwand bedeutet, sondern einen sofort spürbaren Mehrwert bringt.
Trend 3: ESG-Pragmatismus
Das Thema Nachhaltigkeit hat sich von einem imagegetriebenen Trend zu einer festen, aber pragmatisch gehandhabten Größe entwickelt. Während der regulatorische Druck aktuell verhaltener ist und viele Unternehmen aufgrund der Wirtschaftslage andere Prioritäten setzen, bleibt die Pflicht zur Umsetzung bestehen.
Ein neuer, starker Treiber kommt jedoch aus einer anderen Richtung: der Versicherungs- und Risikoperspektive. Insbesondere beim Umgang mit Lithium-Akkus fordern Versicherer zunehmend belastbare Präventions- und Lagerkonzepte, um Brandrisiken zu minimieren. Dadurch wandelt sich ESG vom reinen Umwelt-Thema zu einem handfesten Aspekt des unternehmerischen Risiko- und Compliance-Managements, den kein Unternehmen mehr ignorieren kann.
Weitere Entwicklungen, die den Markt prägen
Neben diesen drei Haupttrends lassen sich weitere Verschiebungen beobachten. Die Wehrtechnik sowie die Raumfahrttechnik etablieren sich als klares Wachstumssegment mit einem hohen Bedarf an intelligenten, robusten Verpackungs- und Transportlösungen. Gleichzeitig erweist sich eine breite Markt- und Geografiediversifikation als entscheidender Stabilitätsfaktor, um Schwächen in einzelnen Branchen wie Bau und Industrie oder regionalen Märkten zu kompensieren. Die zentrale Herausforderung bleibt die Etablierung einer Organisation, die sowohl hocheffizientes Standardgeschäft als auch hochkompetentes Projektgeschäft beherrscht.
Fazit: Erfolg bedeutet agil in Lösungen zu denken
Die Herausforderungen der kommenden Jahre sind komplex, bieten aber auch große Chancen. Der Erfolg wird davon abhängen, wie gut es Unternehmen gelingt, sich vom reinen Produktlieferanten zum agilen Lösungspartner zu entwickeln. Joost Knapen blickt zuversichtlich nach vorn: „Die Zukunft gehört denjenigen, die die Prozesse und Schmerzpunkte ihrer Kunden wirklich verstehen. Es geht nicht mehr darum, nur das beste Produkt zu haben. Es geht darum, das intelligenteste System aus Produkt, Service und Beratung bereitzustellen. Wenn Unternehmen sich darauf konzentrieren, ihren Kunden Komplexität abzunehmen und ihre Effizienz zu steigern, werden sie 2026 erfolgreich sein.“